Spezial- und Sondereinheiten

Trotz aller Sicherheitsanstrengungen können auch Situationen entstehen, in denen eigens geschulte Kräfte zum Einsatz kommen, besonders wenn heikle Gefahrensituationen zu meistern sind. Dann wird auf ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zurückgegriffen.

SEK als Lehre aus München 1972

Als Reaktion auf die gescheiterte Geiselbefreiung beim Attentat auf die Olympischen Spiele 1972 in München hoben Bund und Länder Spezialeinsatzkommandos aus der Taufe. Fast alle sind den Bundesländern unterstellt, erhalten ihre Weisungen zum Teil aber von unterschiedlichen Landesbehörden. Häufig sind die Spezialeinsatzkommandos in die Bereitschaftspolizei eingebettet, im gegenwärtigen Trend werden sie immer häufiger den Landeskriminalämtern unterstellt. Das in der öffentlichen Wahrnehmung bekannteste SEK ist die GSG9. Sie ist jedoch abweichend in die Bundespolizei integriert.
Vornehmliche Aufgabe des SEK ist die Festnahme von Straftätern, die als gefährlich eingestuft werden. Damit kommen diese Kommandos bei Geiselnahmen, Entführungen, Tötungsdelikten, bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität und der Terrorismusbekämpfung zum Einsatz. Mitunter leisten die Mitglieder eines SEK auch wertvolle Dienste beim Zeugen- und Personenschutz.

Hohe Ansprüche an Kandidaten

Um dieses schwierige und anspruchsvolle Aufgabenspektrum zu erfüllen, müssen Bewerber hohe Hürden überwinden. Bereits im Auswahlverfahren werden hohe Ansprüche gestellt. Die Kandidaten sollten in einer herausragenden körperlichen Verfassung sein, mentale Stärke besitzen und eine ausgeprägte Sozialkompetenz besitzen. Denn Einzelkämpfer sind in den Spezialeinheiten fehl am Platz. Die Bewerber durchlaufen eine Reihe von physischen und psychischen Tests, bis am Ende nur noch die Besten übrig bleiben. In der Regel rekrutieren sich die Mitglieder der Einsatzkommandos aus Personen, die bereits zuvor im Polizeidienst standen. Ein unschlagbarer Vorteil, kennen sie mögliche Gefahren und wissen diese meist richtig einzuschätzen.

SEK muss intensiv trainieren

Sonderkommando Polizei stürmt Haus Bild

SEK trainiert Erstürmung eines Hauses beim Landespolizeifest in Dortmund
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Da Einsätze über die Grenzen der Bundesländer hinweg stattfinden, ist die Ausrüstung und die Ausbildung meist einheitlich geregelt. Für die Einsätze müssen spektakuläre Manöver intensiv trainiert werden. Das Wenden von Fahrzeugen bei hoher Geschwindigkeit wird ebenso geübt, wie das Abseilen aus Hubschraubern oder die Erstürmung von Häusern oder Flugzeugen. Dennoch arbeiten die SEK's meist diskret, denn viele Einsätze finden unbemerkt von Presse und der Öffentlichkeit statt.

Weitere Sondereinheiten der Polizei

Einsatzkommandos können mitunter für eine spezielle Verwendung trainiert werden. Mobile Einsatzgruppen (MEK) beobachten und fahnden, greifen aber auch zu, wenn die Situation es notwendig erscheint lässt. Dabei kann es zu einer engen Zusammenarbeit mit einem SEK kommen. Auch Verhandlungsgruppen (VG) fallen in diese Kategorie. Sie haben bei Straftaten, z. B. Geiselnahmen, die Gesprächsführung mit den Straftätern inne und sind auf psychologischem Gebiet perfekt ausgebildet. Technische Einsatzgruppen (TEG) beraten hingegen die Polizei und unterstützen diese mit der Installation und Betreuung von technischen Anlagen. Dazu zählen Lauschangriffe, Videoüberwachung oder auch Ablenkungstechnik.

Riskio Bombenentschärfung

Ein weitere Spezialeinheit der Polizei sind die Bombenentschärfer. Sie sind meist ebenfalls dem LKA unterstellt und kümmern sich um die Entschärfung von sogenannten unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen. Das Personal weist dabei ausgewiesene Kenntnisse der Physik, Kinetik und der Chemie aus. Sowohl Umsichtigkeit aber auch Angst sind ein latenter Bestandteil dieses Berufes.
Die Bombenentschärfer der Polizei kommen meist bei Bombendrohungen zum Einsatz. Konkret werden dann herrenlose oder verdächtige Gepäckstücke an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen oder Flughäfen untersucht. Gelegentlich erhalten sie dabei Unterstützung von einem Sprengroboter.
Für die Räumung und Entschärfung konventioneller Kampfmittel, bspw. Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, sind nicht die Bombenentschärfer der Polizei zuständig, sondern der Kampfmittelräumdienst.