Kriminalpolizei

Die Kriminalpolizei (Kripo) steht in Deutschland vor allem durch einschlägig bekannte Fernsehserien im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Vieles vom vermittelten Bild ist real, anderes wird weniger genau beleuchtet. Die Kriminalpolizei ist grundsätzlich für die Verfolgung von Straftaten zuständig. Bei der Schutzpolizei bildet dieser Punkt hingegen nur einen Teilbereich des Aufgabenspektrums ab.
Die Kripo ist Bestandteil der Landespolizei. Dabei kann sie in jedem anderen Bundesland anders organisiert sein, dennoch hat sie bundesweit im wesentlichen identische Aufgabenschwerpunkte. Meist existieren verschiedene Fachkommissariate, die sich in einen zentralen Dienst, wie den Kriminaldauerdienst, Personenfahndung oder Zeugenschutz, und spezielle Ermittlungsbereiche untergliedern.

Einsatzbereiche der Kripo

Kriminalpolizei Bild

Tatort in Lörrach
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Mord-, und in besonders schweren Fällen, Sonderkommissionen, kümmern sich um Kapitaldelikte. Darunter fallen Tötungsdelikte, Ermittlungen nach Bränden, Erpressungen oder Raub. Daneben bilden sexuelle Straftaten, Vermisstenfälle, Bandendelikte (Drogenhandel, Glücksspiel, organisierte Kriminalität), Delikte von und zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen, Wirtschaftskriminalität (Betrug, Korruption) weitere Schwerpunkte bei der Arbeit der Kriminalpolizei. Auch Eigentumsdelikte , wie Diebstahl oder Einbruch gehören zu ihren Aufgaben, können aber stellenweise auch der Schutzpolizei übertragen werden.

Kriminaldauerdienst als erster Ermittler

In größeren Städten kommt nach einem Delikt zunächst der Kriminaldauerdienst (KDD) zum Einsatz. Er ist nicht für die Aufklärung der Straftat zuständig, sondern für den sogenannten “Ersten Angriff”. Für ihn gilt: Am Tatort ein möglichst unverändertes Spurenbild zu erhalten und alle Spuren zu sichern. Der KDD hält die Spuren fest, fotografiert den Tatort und erstellt eine Tatortskizze, die bei einer späteren möglichen Rekonstruktion als Grundlage dient. Am Tatort selbst kann es je nach Größe und Art des Deliktes zur Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten der Kriminaltechnik, wie Gerichtsmediziner, Tatortzeichner oder Daktyloskopen (Sichern von Fingerabdrücken) kommen. Der KDD stellt das gesamte Material zusammen, bewertet es, fasst es in einem Tatort-und Ermittlungsbericht zusammen und leitet es zur weiteren Bearbeitung an die zuständigen Fachkommissariate weiter.

Fahndungsmethoden

Die Kriminalpolizei arbeitet eng verzahnt mit der Schutzpolizei zusammen, insbesondere bei der Fahndungsarbeit. Hier greifen die Einsatzkräfte auf verschiedene Fahndungsarten zurück. Bei Geiselnahmen, Bankraub oder Entführung und in Abhängigkeit von Tatzeit und Tatort kann eine Ringfahndung ausgelöst werden. Fahndungsbeamte werden an bestimmten Punkten positioniert und ziehen mehrere Ringe um den Tatort. Auf diese Methode wird meist innerhalb von 30 Minuten nach der Tat zurückgegriffen, um die Täter schon frühzeitig zu fassen. Weitere Möglichkeiten sind die Grenzfahndung, die Schleierfahndung (stichprobenartige Personenkontrolle) oder die Rasterfahndung. Hier werden Daten von verdächtigen Personen mit anderen Datenbanken abgeglichen. Fahndungsarbeit ist in der Regel zielgerichtet, aber auch mühevoll.
Im weiteren Ermittlungsverlauf vernimmt die Kriminalpolizei Zeugen und Tatverdächtige, überprüft Alibis und veranlasst Gegenüberstellungen. Mitunter ist auch eine Rekonstruktion des Deliktes am Tatort erforderlich.

Mühevolle Schreibtischarbeit für die Kripo

In der öffentlichen Darstellung wird vielfach unterschlagen, dass Fahndungsarbeit hauptsächlich am Schreibtisch stattfindet. Denn Gutachten von Sachverständigen müssen eingeholt und für den Fall bewertet werden. Und auch auf Computer wird zurückgegriffen: Die beim Bundeskriminalamt angelegten Datenbanken geben vielfach entscheidende Hinweise in der Ermittlung. Die Daten vom Automatischen-Finger-Abdruck-System (AFIS), von der DNA-Analyse-Datenbank und vom zentralen Fahndungscomputer können von jeder Dienststelle aus abgerufen werden.
Sollten Fälle nicht oder nur schwer aufgeklärt werden, greift die Kripo auch auf Spezialisten zurück. Die psychologisch geschulten “Profiler” ziehen aus den in der Ermittlungsakte gewonnen Fakten Rückschlüsse auf den Täter, schätzten sein Verhalten und seine nächsten Schritte ein und erstellen ein Täterprofil. Zielfahnder beteiligen sich hingegen operativ an der Suche nach Tätern. Über Befragungen gelangen sie zu Ermittlungsergebnissen, reisen mitunter auch ins Ausland und heften sich unerkannt an die Fersen des Verdächtigen. Diese Arbeite zieht sich meist über Monate oder Jahre hin.
Die Staatsanwaltschaft hat in den Ermittlungen die Federführung und sie ist es auch, die beim Ermittlungsrichter einen Antrag für einen Haftbefehl stellt, besonders dann wenn Flucht- und Verdunklungsgefahr besteht.