Tag Archiv für Berufswandel Polizei

Beruf im Wandel

In der Bundesrepublik Deutschland gilt die Polizei als Garant der Werteordnung und als Stabilisator des Rechtsstaates. Doch dies war nicht immer so. Die Polizei durchlief in Deutschland einen langen Weg, um den heutigen Grad der Akzeptanz und Anerkennung zu erreichen.

Polizei in der Kaiserzeit und Weimarer Republik

Wenn man an die großen sozialen Unruhen in den letzten 20 Jahren des 19. Jahrhunderts denkt, so erfährt man aus den Geschichtsbüchern, dass die Polizei zu dieser Zeit als Büttel des Kaisers dessen Macht durchgesetzte. Die Pickelhauben waren allenthalben auf den Straßen dazu eingesetzt, den Bürgern deutlich und gegebenenfalls tatkräftig mit dem Schlagstock klarzumachen, wer das Sagen hat. Dieses Selbstverständnis hat sich bis in die Weimarer Zeit nicht wesentlich geändert. Zu allen Zeiten, ob im Ersten Weltkrieg, davor oder danach, diente die Polizei nicht dem Bürger, sondern dem Staat. Teilweise wurden sogar militärische Aufgaben auf sie übertragen. Dementsprechend wurden die Polizisten ausgebildet und geschult.

Polizeiberuf im Wandel Bild

Polizisten mit Hund 1933
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Polizei als Täter und Handlanger der NSDAP

Die Polizei durchlief im Nationalsozialismus viele Stationen, um am Ende selbst aktiver Teil eines menschenverachtenden und entzivilisierten Systems zu sein. Zunächst wurde die Polizei “verreichlicht”, d. h. nahezu alle Kompetenzen der deutschen Länder wurden entzogen, und gleichzeitig die Militarisierung der Polizei vorangetrieben. Anschließend erfolgte ihre sukzessive “Entstaatlichung”, denn die die wurde dem Staat entzogen und unter die Führung der NSDAP gestellt. Mit dieser Einbindung in die Partei erfolgte eine politische Indoktrintation des inhumanen, nationalsozialistischen Menschenbildes. Zweifelsohne war die Polizei, auch Teile der Ordnungspolizei, in dieser Zeit an schweren Verbrechen beteiligt.

Polizei als Stabilitätsfaktor in der DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Entstehen eines demokratischen Deutschlands im Westen und einer 2. deutschen Diktatur im Osten wurden entsprechend den staatlichen Vorgaben die Berufsbilder des Polizisten neu definiert. Auch in der DDR wurde die Polizei zum Durchsetzungsorgan einer einzigen Partei, einer Machtelite. Dabei hatte sie, wie in allen autokratischen und diktatorischen Regimen üblich, Befugnisse, die weit über das hinausgehen, was in einem demokratischen Staats denkbar wäre. Die polizeiliche Arbeit wurde in allen Belangen von dieser Einparteiendiktatur durchdrungen. Bis hin zum K1, dem berüchtigten Ableger der Staatssicherheit innerhalb der Polizei. Aus der Polizei entwickelte sich zunächst die kasernierte Polizei, woraus dann eine Armee gebildet wurde. Zusätzlich zur Volkspolizei genannten Organisation, gab es die Staatssicherheit. Diese war, im Gegensatz zur Geheimen Staatspolizei im Dritten Reich, eine rein militärische Organisation. Die polizeilichen Instanzen, insbesondere die Staatssicherheit, garantierte der Einheitspartei SED über Jahrzehnte hinweg das Überleben.

Neudefinition der Polizei in der Bundesrepublik

In der Bundesrepublik, in dem unter der Obhut der westlichen Alliierten ein freies demokratisches System entstand, wurde die Polizeiarbeit auf Länderebene organisiert. Das bedeutete, dass jedes Bundesland eine andere Polizeiorganisation, Polizeiuniform, Polizeistruktur und Polizeigesetze hat und damit eine eigene Landespolizei. Und selbstverständlich auch eine separate Ausbildung der Polizei. Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten, in denen ein Polizist in Deutschland als Knüppelbüttel ausgebildet wurde, wird heute von jedem Polizisten, schon in der Ausbildung der persönliche Einsatz für die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik verlangt. Das bedeutet, dass sich der Polizist als Bürger in Uniform versteht, nicht als Unterdrücker Andersdenkender. Auch wenn er später im Einsatz eventuell in die Lage versetzt werden wird beispielsweise auf der Straße gegen Demonstranten vorgehen zu müssen. So wird er auch in dieser Eigenschaft zwar als Vertreter des Staates auftreten, aber dennoch die Rechte aller Menschen, wie das Demonstrationsrecht, schützen müssen. So kann der Polizist durchaus während seines Einsatzes in Gewissenskonflikte kommen. Nämlich immer dann, wenn er in staatlichem Auftrag Dinge durchsetzen muss, die er vielleicht als Privatperson nicht akzeptieren würde.